Die Heilige Schrift ist ein Kräutlein, je mehr du es reibst, desto mehr duftet es

Vortrag zum Kirchenältestentag 2017 von Superintendent Ralf-Peter Fuchs

Dankenswerterweise hatte ich bei dem Vortrag alle Freiheit. Es hieß eigentlich nur: Machen Sie mal was zur Bibel. Also habe ich das Thema ein wenig gerieben wie besagtes Kräutlein und das, was mir dann duftete, habe ich zusammengetragen. Zum einen sind dies im ersten Teil einige Beobachtungen zum Umgang mit der Bibel bzw. dem Verlustes eines Umgangs mit ihr. Und im zweiten Teil habe ich fünf kleine Hausmittel zusammengestellt gegen die Bauch- und Kopfschmerzen, die manch einer im Umgang mit der Bibel hat.

 

  1. Die Bibel als Heimat und ihr Verlust

 

In Taize – einem winzigen Dorf in Frankreich – kommen jedes Jahr Tausende von Jugendlichen zusammen. Jeden Morgen gibt es eine Bibelarbeit. Da sitzen dann Jugendliche aus Frankreich, Deutschland, Nigeria, Schweden und vielen anderen Ländern zusammen. Sie kommen aus frommen und kirchenfernen Elternhäusern, aus eher ärmlichen oder wohlhabenden Verhältnissen. Sie sitzen miteinander über einem biblischen Text. Sie haben ihre Fragen an den Text. Sie lassen sich von ihm anregen. Sie tragen eigene Sichtweisen ein. Sie ärgern sich oder erfreuen sich an dem Wort. Sie machen Entdeckungen. Sie müssen nicht immer nur um die eigenen Gedanken kreisen. Sie werden vom Bibelwort in eine fremde Welt geführt und diese fremde Welt hilft ihnen, ihre eigene Welt neu und vielleicht noch einmal anders zu sehen. Sie sitzen um das biblische Wort wie um ein Lagerfeuer. Gemeinsam sind sie Gäste am Tisch eines alten Textes. Diese jungen Menschen, die sich manchmal an diesem Morgen das erste Mal begegnen, haben in dem Bibelwort etwas, was sie zusammenführt und worüber sie miteinander reden und streiten können. Der Text ist

ihnen für kurze Zeit eine Heimat, die miteinander verbindet. Und allein darin, dass  sie sich Mühe geben mit einem alten Bibelwort, steckt eine Ahnung, dass es so etwas gibt, wie eine Wahrheit, die sich finden lässt, und aus der man leben kann.

 

Wenn wir aus unseren Gemeindenachmittagen, Bibelstunden und Gottesdiensten heraustreten, treten wir in eine andere Welt. Es ist eine Welt, die keine Heiligen Bücher mehr hat. Es gibt kaum mehr Texte, die von allen gekannt sind. Man hat – wenn´s hoch kommt - höchstens mal eine kleine Gruppe, die denselben Bestseller gelesen hat. Man liest Zeitungen, man liest Liveticker, man hat Nachrichtenapps.  Man hat Tagesmeldungen mit einer Verfallszeit von wenigen Stunden. Morgen, gibt’s was Neues. Es gibt kaum mehr gemeinsame Überzeugungen, die man irgendwo nachlesen könnte, auf die man sich berufen könnte und die uns miteinander verbinden. In der Welt, in der wir leben, hat man kein gemeinsames Buch mehr, das uns eine Wahrheit bezeugen könnte.  Wir haben nicht mehr das eine Heilige Brot, von dem wir uns alle nähren könnten. Jeder hat die Freiheit und das Verhängnis zugleich, seine eigenen Brötchen zu backen. 

Es ist ein großer Schatz in dieser manchmal so kurzatmigen Welt noch ein Buch zu haben, das uns miteinander in einem Geist zu verbinden vermag.

 

  1. Über die Bibel als Lesebuch oder als Gelehrtenbuch

 

Fast 1000 Jahre lang hatte man gedacht, dass man die Bibel den Menschen nicht einfach in die Hand geben könne. Man hatte gedacht, nur die Priester könnten sie verstehen, nur die Gelehrten könnten sie recht auslegen, nur die lateinische Gelehrtensprache könne ihr gerecht werden. Und dann hat Luther die Bibel aus der Gelehrtensprache in die Alltagssprache und aus den Gelehrtenstuben in die Familienstuben gebracht. Er hat sie aus den Händen der Priester in die Hände der Handwerker und Bauern, der Männer und Frauen, der Kinder und Greise gelegt. Und sie haben die Worte verstanden und die Schrift hat ihre Kraft entfaltet.

Aber nun 500 Jahre nach Martin Luther habe ich den Eindruck, als würden die Menschen die Bibel den Priestern und Pfarrern zurückgegeben haben. Manchmal habe ich den Eindruck, die Menschen fangen wieder an zu glauben, dieses Buch sei nur von Theologen zu verstehen. Manchmal scheint es, die Menschen würden wieder meinen, dass man studiert habe müsse, um die Heilige Schrift mit Gewinn zu lesen. Es sieht so aus, als hätten viele ihre Bibel von den Nachttischen und Stubentischen zurück auf die Gelehrtentische und Kanzeln gelegt. Und manchmal denke ich, wir Theologen haben daran mindestens einen gewissen Anteil. Und darum:

 

  1. Die Obduktion des Textes und das lebendiges Wort

 

Vor allem das 19. und 20. Jahrhundert war im Blick auf die Bibel das Jahrhundert der kritischen Bibelwissenschaft. Man rückte dem biblischen Text mit einer Fülle literaturwissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Methoden zu Leibe. Man lernte mit literakritischen, überlieferungskritischen, redaktionskritischen, gattungskritischen, linguistischen, tiefenpsychologischen, wirkungsgeschichtlichen Instrumentarium die biblischen Texte in ihrer Vielschichtigkeit zu erkennen und gelegentlich über ihre Komplexität zu staunen. Die Bibelwissenschaft konnte vieles erhellen. Sie konnte die Vielschichtigkeit der Texte freilegen. Sie konnte wissenschaftlichem Anspruch genügen. Die Bibelwissenschaft hat die Bibel aus dem Nimbus einer unantastbaren Autorität herausgeführt und in die Welt der rationalen Diskussion geführt. Aber manchmal denke ich, wir Theologen haben dadurch mindestens den Eindruck befördert, man könne die Bibel ohne ein gewisses wissenschaftliches Instrumentarium nicht mehr verstehen. Wir haben wohl unseren Anteil daran, die Bibel von den Nachttischen der Menschen zurück auf die Gelehrtentische zu ziehen. „Herr Pfarrer, machen sie mal, darauf haben sie doch studiert.“  Adolf Schlatter einer der Wegbereiter der kritischen Theologie hat einmal gesagt: „Man kann die Heilige Schrift nicht lesen wie die tägliche Zeitung. Sie ist wie ein Bergwerk. Man muss mühsam in ihre Schächte hinabsteigen, um ihre Goldader anzuschlagen.“ Das ist nicht falsch. Aber man muss sich dann auch nicht wundern, wenn manche Leute nach Feierabend nicht noch in ein Bergwerk herabsteigen wollen.

 

Ich erinnere mich in meiner ersten Pfarrstelle in der Rhön an einen Mann. Er war damals schon alt. Ein zugezogener Möbeltischler. Er hatte immer eine Schiebermütze auf, vielleicht auch, damit man die große Beule in seinem Kopf, die  von einer Granate aus dem Krieg stammte, nicht sah. Die Kinder haben den alten Mann sehr gemocht, weil er immer ein paar gute Bonbons für sie in der Jackentasche hatte und die Erwachsenen haben ihn geachtet, weil er immer ein paar gute Worte auf den Lippen hatte. Er war einer von diesen bodenständigen, einfachen, weisen und lebensklugen Männern. Als er gestorben war und ich die Trauerfeier halten sollte, haben mir die Angehörigen seine Bibel gegeben. Sie lag meist auf seinem Nachttisch. Manche Seiten waren vom häufigen Aufschlagen abgegriffen. Hie und da waren Bleistiftnotizen am Rand oder es lugten kleine Zettel über den Buchrand hinaus.

 

Dieser Mann hat sich die Bibel vom Zeitgeist nicht wegnehmen lassen. Er hat sie gelesen. Er hat mit ihr gelebt. Sie war ihm Lebensbrot geworden. Er hatte die alten Texte in sein Leben hineinprobiert und sein Leben in die alten Texte hineinprobiert. Und man hatte es ihm abgespürt, wenn man mit ihm sprach. Du „ musst .... immer Gottes Wort im Herzen, Mund und vor den Ohren haben.... Es hat die Kraft,  wo man`s mit Ernst betrachtet, höret und behandelt, dass es nimmer ohne Frucht abgeht, sondern allzeit neuen Verstand, Lust und Andacht erweckt, rein Herz und Gedanken macht, denn es sind mitnichten faule, noch tote, sondern wirksame, lebendige Worte“. Das hätten die Worte des alten Mannes sein können, auch wenn es Luthers Worte aus dem Großen Katechismus sind.

 

Ein historisch denkender Mensch könnte nun einwenden, dass die biblischen Worte jahrtausendalt sind und weder für uns geschrieben noch für uns bestimmt sind. Und darum:

 

  1. Der Schnee von Gestern ist das Wasser von Morgen

 

Dazu eine kurze Anekdote: Ein Medizin-Student kam in eine Buchhandlung und beschwerte sich: „Haben Sie keine neueren Bücher über Anatomie? Diese hier sind doch mindestens 10 Jahre alt- ich brauche was Aktuelles.“ Sagte der Buchhändler:  „In den letzten 10 Jahren kamen zum menschlichen Skelett keine neuen Knochen hinzu, mein Lieber.“

Gott und der Mensch, das ist eine elementare Urbeziehung. Und in dieser Urbeziehung gibt es ein konstantes Lebendiges zwischen Gottes Herz und den Herzen der Menschen. Und zu dieser Beziehung ist in den letzten knapp 2000 Jahren kein Knöchelchen dazugekommen. Und darum heißt es in der Heiligen Schrift: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, verstockt eure Herzen nicht“(Hebräer 3.15)  und „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2. Kor. 6.2). Und mit diesem „Heute und Jetzt“ ist gesagt, was gemeint ist: Heute und Jetzt. Und wenn sie mich fragen würden, was mir am meisten geholfen hat, die Bibel

als einen Schatz für mein Leben zu entdecken, und die Worte für mich lebendig werden zu lassen, dann ist es dies: Ich gehe mit der Vermutung an die biblischen Texte heran, dass sie heute und jetzt etwas von mir oder für mich wollen. Ich probiere es mit der Unterstellung, dass das biblische Wort für mich geschrieben ist. Der Text, den ich lese, gilt…. – um es mit Günther Schabowski zu sagen - das ist nach meiner Kenntnis …eh,  ist das sofort, unverzüglich.“

Das ändert natürlich nichts daran, dass einem manche Texte fremd und verschlossen bleiben, und darum:

  1. Über die unreifen Äpfel

 

Es gibt Texte, die waren und sind mir fremd geblieben. Es gibt Textstellen, die ermüden mich. Es gibt biblische Worte, die stoßen mich ab oder sind mir unerträglich. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Psalm 59 Vertilge meine Feinde ohne alle Gnade, vertilge sie, dass sie nicht mehr sind! Lass sie innewerden,  dass Gott Herrscher ist in Jakob, bis an die Enden der Erde.  Es ist ein Vers aus einem Rachepsalm. Ich habe fast 20 – 30 Jahre darum einen Bogen gemacht und habe mich um ähnliche Worte aus anderen Psalmen bei Gottesdiensten oder Andachten einfach gedrückt und sie weggelassen.

Vor einigen Jahren gab es ein paar ziemlich ärgerliche Dinge, die mich wütend gemacht hatten. Und ich merkte, wie mich diese Sache mit der Zeit auch  innerlich bitter werden ließ. Meine geistliche Begleiterin, eine weise Nonne, die ich ab und zu um Rat frage, riet mir, die Rachepsalmen zu beten. Ich fand das erst einmal nicht so toll. Aber sie sagte dann: Mach das ruhig. Deine Wut, dein Ärger, deine Bitterkeit lassen dein Herz verwahrlosen und richten dort einen ziemlichen Schaden an. Im Gebet der Rachepsalmen aber nimmst du es aus deinem Herzen und übergibst es Gott. Glaube mir, bei Gott ist deine Wut und dein Grimm besser aufgehoben, als bei dir.  An diesem Tag war mir der tiefe Sinn der Rachepsalmen neu aufgegangen. Das Psalmwort war mir reif geworden.

 

Es gibt biblische Worte, deren Zeit ist noch nicht gekommen. Eines Tages kommt sie vielleicht. Vielleicht kommt sie auch nie. Aber wenn wir sie lesen- die fremden oder gar abstoßenden Worte - sollten wir es mit Luther halten: Er schreibt: „Ich lese die Bibel, wie ich meinen Apfelbaum ernte: Ich schüttle ihn, und was runterkommt und reif ist, das nehme ich. Das andere lasse ich noch hängen. Wenn ich eine Stelle der Bibel nicht verstehe, ziehe ich den Hut und geh vorüber.“

Genau so soll man es machen: Den Hut vor den unreifen Äpfeln ziehen und weitergehen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie reif sind.

 

Aber möglicherweise sind die sperrigen Texte der Bibel gar nicht das größte Problem.

Und darum eine kleine Mahnung:

 

6. Vorsicht im Umgang mit vertrauten Texten

 

Mark Twain hat einmal gesagt: “Ich habe keine Schwierigkeiten mit dem, was ich in der Bibel nicht verstehe. Probleme machen mir die Stellen, die ich sehr gut verstehe.

Wir hören beispielsweise: „Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber.“ Dieser Satz reicht und wir wissen in der Regel, wie es weitergeht. Der barmherzige Samariter- klar! Wir kennen die nächsten Sätze. Wir kennen schon die Pointe und haben in der Regel schon genügend Predigten gehört, um  schon bei diesem Satz zu wissen, was auf uns zukommen wird und was wir uns dabei denken sollen. Wir wissen Bescheid! Wir glauben oder sind gewiss, verstanden zu haben, was mit der Geschichte gemeint ist.

 

Ich hatte die Geschichte vom barmherzigen Samariter irgendwann einmal verwendet

bei der Einweihung einer Tagesstätte für Behinderte. Auch ein Staatsekretär aus Erfurt war dabei. Er hielt ein kurzes Grußwort und frage mich dann beim Imbiss nach dieser Geschichte und wo ich diese her hätte. Er fand diese Geschichte toll und ergreifend. Er kannte sie nicht. Er hatte sie noch nie gehört. Aber ihm war manches an der Geschichte aufgegangen, was ich so gar nicht mehr gesehen hatte.  Vielleicht sollte man zu jedem Bibelkreis ein paar Leute einladen, die von der Bibel nichts mehr wissen. Es gibt Texte, die sind uns so glatt geworden, dass sie anfangen, zu uns zu schweigen. Es gibt Worte, die sind uns so vertraut, dass sie ihre Schönheit oder ihren Anspruch nicht mehr preisgeben. Und vielleicht ist das genau der Punkt, an dem wir uns etwas sehr Wichtiges für das Bibellesen bewusst machen müssen. Und darum:

 

  1. Einen Kuss kann man nicht durch Boten überbringen (Anthony de Mello)

 

Es ist schön zu meinen, einen Bibeltext verstanden zu haben. Da hat man schon mal die halbe Wegstrecke hinter sich gebracht. Aber eben nur die halbe und man ist noch lange nicht am Ziel. Die biblischen Texte sind zunächst einmal das, was sie sind: Worte. Und die Worte bezeichnen nicht sich selbst. Sie sind immer Hinweiszeichen auf eine andere Wirklichkeit. „Die biblischen Worte weisen uns ein in das wortlose Geheimnis“, hat jemand mal gesagt. Biblische Texte sind wie ein Fenster, durch das man schaut, aber man muss das Haus verlassen, um dahin zu kommen, was man durch das Fenster sah. Es ist wie mit dem kleinen gelben Hinweisschild am Ortsausgang von Eisenach:  Da steht drauf „Creuzburg“. Wer käme auf die Idee, sich vor das Schild zu stellen und zu meinen er wäre in Creuzburg. Und wenn einer fragt, wie es in Creuzburg sei, würde man antworten, Creuzburg ist gelb und etwa 80 cm mal 15 cm. Die Worte der Bibel sind nur Hinweiszeichen. Man muss sie hinter sich lassen und dorthin gehen, wohin sie uns weisen. Mit der Bibel ist es wie mit einer Speisekarte. Man kann da lesen, was es alles gibt. Aber vom Lesen einer Speisekarte wird niemand satt. Man muss weitergehen und dorthin gehen, wo man satt werden kann. Die Worte wollen uns wegführen aus der Welt des Wissens über Gott und die Welt und wollen hinführen in die Welt der Glaubens- und Gottes – Erfahrung. „Einen Kuss kann man nicht durch Boten überbringen“, heißt es. Wenn wir lesen, dass Gott uns liebt, ist das viel und gut zu wissen. Aber man muss weitergehen, dorthin, wo man – gleichsam- von ihm geküsst wird. Das Ziel der Bibel liegt nicht in der Bibel selbst. Sie führt uns in die Wirklichkeit hinter den Worten und manchmal in die Wirklichkeit vor unseren Augen. Oder mit Luther: „Gottes Wort ist kein Lese-, sondern ein Lebewort.“ Und schließlich:

 

  1. Der Wort sucht sich seinen Hörer

 

Das ist in etwa so wie bei Harry Potter- falls Sie den kennen - der Zauberstab sucht sich seinen Meister. Es gibt eine Erfahrung, die sie vermutlich alle kennen. Im Gottesdienst hören wir in der Regel 2-3 biblische Lesungen. Für uns sind es meist Worte. Und die Worte sind uns wie ein Regen. Sie rauschen an uns vorbei. Sie plätschern an uns vorbei und das meiste davon macht uns nicht einmal nass. Aber dann kann es sein, eines Tages, dass da ein Satz ist, ein Wort, ein Bild, das uns nachgeht, das uns stört oder berührt. Und ich denke mir manchmal, vielleicht ist dieser Satz von Ewigkeit her losgeschickt worden, um uns an diesem Tag endlich zu finden.

Unsere Ohren hören selektiv. Sie wählen aus. Sie picken sich etwas heraus. Und was unsere Ohren auswählen, hat meist mit unserer Lebenssituation zu tun, in der wir gerade sind. Diese Auswahl geschieht, noch bevor wir es uns bewusst machen. Entscheidend, ob uns etwas zu Gottes Wort wird, ist die Situation, die Lebenssituation, auf die das Wort bei uns trifft. Unsere eigene Lebenssituation entscheidet darüber, ob uns etwas zu Gottes Wort wird oder nicht. Ob ein Same aufgeht, darüber entscheidet der Boden, auf den er fällt. Der vierfache Acker ist in uns! Und der fruchtbare Boden lechzt wie der Hirsch nach frischem Wasser auf das Wort, das zu ihm gehört.

Die biblischen Texte sind Liebestexte. Sie blühen nur auf, wenn sie in Beziehung treten können. Sie wollen in Beziehung treten mit uns und mit dem, was uns konkret bewegt. Und vielleicht ist das der Hauptgrund, in der Bibel immer wieder und wieder zu lesen. Damit uns das Wort findet, das der Ewig Gegenwärtige für uns losgesandt hat, um mit uns „Jetzt und Heute“ eine Beziehung aufzunehmen, auf dass wir leben. Und wenn der heutige Kirchenältestentag Sie verlockt zu solch einem Beziehungsabenteuer, dann wäre das schon einmal eine feine Sache. Vielen Dank für´s Zuhören.