Das Wartburg-Experiment - Zwiesprache mit der Lutherbibel.

1521 In der Geschichte der deutschen Sprache, Literatur und Kultur ist dieses Jahr von herausragender Bedeutung: Martin Luther beginnt auf der Wartburg bei Eisenach als Junker Jörg getarnt die Übersetzung der Heiligen Schrift. In nur hundert Tagen liegt das Neue Testament in einem Deutsch vor, das die Basis für unsere Nationalsprache bildet und bis heute sprachprägend ist.

„Perlen vor die Säue werfen“ oder „mit seinen Pfunden wuchern“ oder „lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“- unsere Gegenwartssprache kennt viele solcher bildhaften Wendungen. Aber nur wenige Menschen wissen, dass sie aus der Luther-Bibel stammen.

2021 Nach fünfhundert Jahren wird auf der Wartburg wieder Bibel verdolmetscht. Die Grimme-Preisträgerin Thea Dorn, der Georg Büchner-Preisträger Martin Mosebach und der Adelbert-von-Chamissio-Preisträger Senthuran Varatharajah residieren für jeweils vier Wochen direkt neben Luthers Schreibstube. Dort führen sie einen inneren Dialog mit Luthers Neuem Testament und verfassen eigene literarische Texte.

In öffentlichen Lesungen, Diskussionen und besonderen Medienformaten wird der innere Dialog dieser drei national und international renommierten Autoren präsentiert und nachfolgend publiziert.

Zwiesprache mit der Lutherbibel. Wartburg 21 ist ein Projekt, dass den historischen Prozess und das daraus entstandene kulturelle Erbe vergegenwärtigt.

Wir erwarten und freuen uns auf Über.Setzungen ganz eigener Art und Sprachkraft.

AUTOR*INNENINFORMATION

Thea Dorn

Thea Dorn studierte Philosophie und Theaterwissenschaft in Frankfurt am Main, Wien und Berlin. Ihren literarischen Auftakt nahm sie mit Kriminalromanen (Berliner Aufklärung, 1994; Ringkampf, 1996; Die Hirnkönigin 1999), später löste sie sich vom Krimi-Genre und konzentrierte sich auf kritisch-analysierende Milieucharakterisierungen (Die Brut, 2004; Mädchenmörder, 2008). Für ihr Drehbuch zum Filmdrama Männertreu erhielt sie 2015 den Grimme-Preis. Über Ihren Roman Die Unglückseligen (2016) lässt sich in Zeit online lesen: „Die Unglückseligen ist ein großer aktueller Roman über die Grenzen der Wissenschaft und zugleich die uralte faustische Geschichte, die sich bei Dorn über zweieinhalb Jahrhunderte erstreckt und vor Witz und Intelligenz geradezu sprudelt.“ Seit März 2020 ist Thea Dorn Gastgeberin des Literarischen Quartetts.

Martin Mosebach

Martin Mosebach studierte Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main und Bonn. Mit seinem Roman Das Bett debütierte er 1983. Nach einer Vielzahl von Romanen und Erzählungen, Essays und Feuilletons wurde er 2007 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Der Journalist Hubert Spiegel schrieb zu diesem Anlass: „Martin Mosebach, der Erzähler, Romancier und Essayist, der Grandseigneur in der Apfelweinkneipe, der orthodoxe Katholik und unorthodoxe Kenner der Künste, der konservative Anarch und hemmungslose Bewahrer von Stil und Form, ist ein glanzvoller Büchner-Preisträger“, und bezeichnete ihn als „genuinen Erzähler und […] Essayisten von ungewöhnlicher stilistischer und intellektueller Brillanz.“

Senthuran Varatharajah

Senthuran Varatharajah studierte Philosophie, ev. Theologie und Kulturwissenschaften in Marburg, Berlin und London. Sein vielbeachteter und mit dem Adelbert-von-Chamissio-Preis ausgezeichneter Debutroman Vor der Zunahme der Zeichen erschien 2016. Die Literaturkritikerin Meike Feßmann bezeichnet Vor der Zunahme der Zeichen als einen Roman, der durchgängig „mit der Überblendung von Theorie und Literatur“ arbeite und „von enormer gedanklicher Konsequenz und einer sprachlichen Radikalität“ sei, „die selten geworden ist in der deutschen Gegenwartsliteratur.“