20.03.2020
Corona - kurz und knapp

Ein Wort zum Tage von Pfarrerin Cornelia Biesecke

MiniAndacht

Abstand halten, einander so wenig wie möglich begegnen – das ist das Gebot dieser Tage. Das fällt Vielen sehr schwer. Und es isoliert Menschen, in Pflegeheimen oder Krankenhäusern zum Beispiel. Oder daheim, weil sie in Quarantäne sind,  zu einer Risikogruppe gehören oder aus anderen Gründen nicht das Haus verlassen können.

Und trotzdem gibt es viele wunderbare Ideen, dennoch einander nahe zu sein. In Italien singen und musizieren die Menschen miteinander auf Balkonen und an offenen Fenstern. Typisch italienisch – werden Sie sagen. In Deutschland – so behauptet neulich eine böse Zunge – würden sich die Menschen bestenfalls die Hausordnung vorlesen. Nein. Auch hier gibt es Aktionen: Applaus zu verabredeter Zeit als Dankeschön für Pflegekräfte und Helfer, so geschehen in Hamburg, sicher auch anderswo.

 

Zu einer Aktion möchte ich Sie heute einladen. Sie hat im Odenwald begonnen und schon viele Unterstützer gefunden. Allabendlich um 19 Uhr stellen Menschen eine Kerze ins Fenster als Zeichen, dass in dieser Wohnung jetzt gebetet wird. Vielerorts läuten dazu noch die Kirchenglocken. Ich finde das wunderbar. Wie ein leuchtendes, klingendes Band wandert das Gebet durch unsere Dörfer und Städte. Es braucht nicht viel dazu: eine Kerze anzünden, Hände falten – ein freies Gebet, ein Stoßseufzer, ein Vaterunser – wir können gewiss sein, dass Gott uns hört.

Bei uns im Kirchenkreis läuten die Glocken derzeit auch. Zu den gewohnten Zeiten. Auch das möge eine Einladung sein, für einen Moment innezuhalten zum Beten. Diese Kraft des Gebetes neu zu entdecken – das finde ich sehr ermutigend. Alles, was mich bewegt und umtreibt, alle Menschen, die einsam sind, um die ich mich sorge, Gott ans Herz legen – und wissen, ich bin damit nicht allein.

Um 19 Uhr zünde ich meine Kerze an und stelle sie ins Fenster.

Cornelia Biesecke aus Eisenach.