25.01.2021
Freude am Erwachsenwerden

Bar-Mizwa beziehungsweise Konfirmation

Eine jüdische Stimme

Im Judentum gelten Mädchen mit 12 und Jungen mit 13 Jahren als erwachsen, das heißt, in der Lage, Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Von diesem Zeitpunkt an werden sie als „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“, als „Sohn/Tochter der Verpflichtung“, betrachtet und sind selbst verantwortlich für das Halten der Gebote. Erst seit dem Mittelalter begehen Jungen den Beginn dieser neuen Lebensphase mit einer Zeremonie, zu der das Rezitieren der Torah im Gottesdienst, ein Lehrvortrag und das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) gehören. Von nun an werden sie zum Minjan, also des für bestimmte Gebete und Rituale notwendigen Quorums von zehn Männern, gerechnet. Für Mädchen bildeten sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen heraus, um die Bat Mitzwah zu feiern.

Die Vorbereitungen für die Bar/Bat Mitzwah ziehen sich bei Kindern je nach Vorwissen und Gemeindepraxis über ein bis drei Jahre hin. Im Gottesdienst legen sie zum ersten Mal ihren Tallit an und tragen den Wochenabschnitt der Torah ganz oder teilweise vor, meist in der traditionellen musikalischen Rezitationsweise. Dazu kommt noch die Haftarah, die Prophetenlesung, in Hebräisch oder in der Landessprache. Danach folgt eine kurze Predigt, manchmal wird auch ein Teil des Gottesdienstes vorgebetet. Daran schließt der Kiddusch, ein festlicher Imbiss, in der Gemeinde an und danach wird im privaten Rahmen mit Familie und Freundeskreis weitergefeiert.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg